Trotz Preisbremsen: Kosten für Strom und Gas explodieren

Heidelberg. 2023 bremst der Staat die Preise für Strom und Gas. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Denn seit Beginn der Energiekrise sind die Kosten regelrecht explodiert. Daran ändert die Deckelung der Preise kaum etwas. So verteuert sich Gas um 112 statt 189 Prozent, die Stromkosten steigen um 44 statt 49 Prozent. Das zeigen Daten des Vergleichsportals Verivox.

Strompreise mit einem Plus von 44 Prozent

Zu Beginn der Energiekrise im September 2021 kostete Strom (4.000 kWh) durchschnittlich 1.222 Euro. Im Januar 2023 werden die Kosten inklusive der dann geltenden Strompreisbremse bei rund 1.764 Euro liegen. Das entspricht einer Steigerung von rund 44 Prozent. Ohne die Preisbremse hätte sich Strom im selben Zeitraum um 49 Prozent (1.821 Euro) verteuert.

Verantwortlich für den starken Preisanstieg sind die hohen Großhandelspreise. An den Strombörsen lag im Jahr 2022 der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Strom zur Lieferung im kommenden Jahr bei durchschnittlich rund 300 Euro. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel vor Beginn der Energiekrise bewegte sich der Preis je Megawattstunde Strom zwischen 35 und 55 Euro.

Diese Kosten gaben die Versorger an ihre Kunden weiter: Im Jahresverlauf (Januar bis Dezember) haben regionale Stromversorger 1.155 Preiserhöhungen von durchschnittlich 31 Prozent durchgeführt.

Strompreise ziehen 2023 weiter an

Im kommenden Jahr kommen zu den hohen Großhandelspreisen noch deutlich höhere Stromnetzgebühren hinzu. Bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) steigen die Stromnetzkosten im Jahr 2023 voraussichtlich bundesweit von 303 Euro auf 360 Euro (netto) an. Das entspricht einem Preisanstieg von 19 Prozent und Mehrkosten von 57 Euro (netto) pro Jahr.

Den hohen Preisdruck geben die Versorger an die Haushalte weiter: Für Januar und Februar 2023 liegen aktuell 724 Strompreiserhöhungen regionaler Stromversorger vor. Die Preise steigen um durchschnittlich 52 Prozent, was für einem Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh Mehrkosten von rund 682 Euro bedeutet.

"Im Jahr 2023 kommt die Energiekrise voll bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Die Energiekosten verschlingen einen immer größeren Teil des Haushaltsbudgets", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

"Ab Januar tritt die Strompreisbremse in Kraft, die ab März ausgezahlt werden soll. Die Deckelung des Strompreises auf 40 Cent/kWh für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs wird für Entlastung sorgen, kann die Folgen der Energiepreisexplosion aber nur abdämpfen."

Gaspreise mit einem Plus von 112 Prozent

Die Gaskosten für einen Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden liegen unter Berücksichtigung der Gaspreisbremse im Januar 2023 bei durchschnittlich 2.756 Euro jährlich. Im September 2021 lagen sie noch bei 1.299 Euro. Das entspricht einem Plus von 112 Prozent. Ohne Gaspreisbremse wären die Kosten um 181 Prozent auf 3.650 Euro gestiegen.

Ursächlich war hier ebenfalls die Entwicklung bei den Großhandelspreisen. Die Gaspreisrallye im Großhandel setzte bereits 2021 ein und verschärfte sich im Jahr 2022 weiter. Die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemessen werden, haben sich seit Jahresbeginn knapp verdreifacht.

An den Spotmärkten, wo Gas kurzfristig gehandelt wird, haben die Preise angesichts des Ukraine-Kriegs und des schrittweisen Wegfalls der russischen Gaslieferungen mit starken Ausschlägen reagiert und lagen zeitweise bei fast 350 Euro für eine Megawattstunde Gas. Aktuell steht der Preis für eine Megawattstunde Gas bei rund 83 Euro. Vor Beginn der Energiekrise bewegten sich die Preise im langjährigen Mittel zwischen 10 und 25 Euro je Megawattstunde.

Im Zuge dieser Entwicklung haben die regionalen Grundversorger zwischen Januar und Dezember in 1.941 Fällen die Preise um durchschnittlich 57 Prozent angehoben.

Hohe Gaspreissteigerungen auch zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel steigen die Gasnetzgebühren im bundesweiten Durchschnitt ebenfalls deutlich um rund 18 Prozent auf 390 Euro netto an. Für einen Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus (20.000 kWh) bedeutet dies Mehrkosten von rund 61 Euro pro Jahr. Diese höheren Kosten führen neben den Großhandelspreisen zu weiteren Preissteigerungen.

Für Januar und Februar 2023 haben regionale Grundversorger bisher 511 Preiserhöhungen von durchschnittlich 48 Prozent angekündigt. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh entspricht das Mehrkosten von rund 1.108 Euro pro Jahr.

"Für Heizkunden gibt es eine Reihe von staatlichen Hilfen, mit denen die Haushalte entlastet werden. Mit der Dezember-Soforthilfe wird den Haushalten, die mit Gas oder Fernwärme heizen, der Abschlag erlassen. Hinzu kommt die Preisbremse, die ab März gilt und rückwirkend ab Januar berechnet wird. Dennoch werden die Haushalte deutlich mehr als in den Vorjahren bezahlen müssen", sagt Thorsten Storck.

Heizölpreise um 68 Prozent gestiegen

Im Zuge der Energiekrise sind auch die Preise für Heizöl stark angestiegen. Im September 2021 kosteten 100 Liter Heizöl im bundesdeutschen Durchschnitt rund 74 Euro (brutto). Den stärksten Anstieg gab es direkt nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine. Im März wurden durchschnittlich 154 Euro pro 100 Liter fällig. Aktuell liegt der Preis bei rund 124 Euro, was einem Plus von 68 Prozent entspricht.

"Die Heizölpreise folgen im Wesentlichen der Entwicklung der internationalen Rohölpreise. Mit dem Abflauen der Weltwirtschaft sind sie in den vergangenen Wochen wieder deutlich gesunken und Heizölkunden müssen keine Rekordpreise mehr bezahlen. Dennoch haben sich die Preise im Jahresvergleich fast verdoppelt und die Belastung bleibt hoch", sagt Thorsten Storck.

Ausblick: Wie geht es weiter mit den Energiepreisen?

In absehbarer Zukunft werden die Energiepreise in ganz Europa hoch bleiben und die Volkswirtschaften vor große Herausforderungen stellen. Der Ausfall der russischen Gaslieferungen sorgt für einen Gasmangel, der durch Flüssiggas per Schiff ausgeglichen werden muss. Ab 2025 rechnen Marktbeobachter mit einer ausreichenden Gasversorgung, das Preisniveau ist jedoch noch unklar. Von dieser Entwicklung sind auch die Strompreise betroffen, da Gas ein wichtiger Rohstoff für die Stromproduktion ist.

Wie sich die Preise für Sprit und Heizöl entwickeln, hängt stärker von der Leistung der Weltwirtschaft insgesamt ab. In den vergangenen Wochen gab es angesichts schrumpfender Wirtschaftsleistungen in vielen Ländern bereits einen deutlichen Rückgang des Preisniveaus. Im Falle einer weiteren Abkühlung der Wirtschaft dürften die Kosten für Sprit und Heizöl noch stärker sinken.

Methodik

Verivox hat die verfügbaren veröffentlichungspflichtigen Gas- und Strompreise für Bestandskunden der rund 700 örtlichen Gas- Grundversorger und der rund 800 örtlichen Strom-Grundversorger in Deutschland ausgewertet. Die durchschnittlichen Strom- und Gaspreise wurden anhand des Verivox-Verbraucherpreisindex berechnet. Der Verivox-Verbraucherpreisindex berücksichtigt die Preise der Grundversorger sowie der 30 wichtigsten überregionalen Anbieter für einen Jahresverbrauch von 4.000 kWh beziehungsweise 20.000 kWh. Die Gewichtung der unterschiedlichen Preisstände wird über die Anzahl der Haushalte der belieferten Regionen vorgenommen. Die Gewichtung zwischen den verschiedenen Tariftypen erfolgt über die aktuell veröffentlichten Wechselquoten der Bundesnetzagentur. Die Heizölpreise stammen vom Statistischen Bundesamt und von esyoil.

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